Die Handschrift Cgm 415

cgm 415 außen

Die Abkürzung Cgm steht für Codex germanicus Monacensis, was auf Deutsch so viel bedeutet wie ‚deutschsprachige Handschrift aus München‘. Die Handschrift wird also in der Bayerischen Staatsbibliothek aufbewahrt und ihr Inhalt ist deutschsprachig. Genauer gesagt ist der Inhalt der Handschrift auf Frühneuhochdeutsch verfasst, sie stammt nämlich aus dem 15. Jahrhundert.

Die 348 Papierblätter umfassende Handschrift lässt sich grob in zwei Teile, zwei sogenannte Faszikel, gliedern. In der Forschung wird vermutet, dass der Schreiber des zweiten Faszikels auch der Besitzer des ersten Faszikels war, weil es im ersten Faszikel Randnotizen in seiner Schrift gibt. Wir konzentrieren uns hier nur auf den ersten Faszikel.

Den ersten Teil dieses Faszikels bildet das sogenannte púch von den chósten, das ist die deutschsprachige Übersetzung einer lateinischsprachigen Übersetzung einer arabischen Vorlage. Zu diesem Kochbuch haben wir hier bereits einen eigenen Blogbeitrag verfasst.

Im Anschluss an das púch von den chósten finden wir eine deutschsprachige Übersetzung des Weinbuchs De vindemiis von Burgundio von Pisa. Es hat ebenfalls zwei Übersetzungsschritte hinter sich. Burgundio von Pisa fertigte in Konstantinopel (dem heutigen Istanbul) Auszüge aus einem umfassenden griechischen Lehrbuch, der Geoponica, an. Ein unbekannter Übersetzer übertrug diese Auszüge ins Frühneuhochdeutsche. Zusätzlich fügte er noch drei Teile aus anderen Texten zum Umgang mit Wein und der Weinernte zu Burgundios Text hinzu.

Nach dem Weinbuch folgen Kochrezepte, die in der Forschung nach der ersten Zeile des ersten Rezepts mit dem Titel „ain weizz gemùess oder ain weizz chost mach also“ bezeichnet werden. Es handelt sich um über 160 Kochrezepttexte, die teilweise aus dem arabischen Raum, teilweise aus Italien stammen dürften. Diese Rezepte passen damit gut zu den ersten beiden Teilen, die ihren Ursprung im arabischen Raum oder im Oströmischen Reich haben und über Italien nach Mitteleuropa kamen. Neben den arabischen Rezepten lassen sich einige Anweisungen auch tatsächlich als italienische Rezepte klassifizieren. Die italienischen Speisen kommen hauptsächlich aus der Region Venetien (vor allem aus den Städten Venedig, Verona und Padua). Aufgrund der Art und Weise, wie die Namen der Gerichte geschrieben werden, vermutet man, dass hier eventuell italienischsprachige Rezepte zuerst ins Lateinische übersetzt und dann aus dem Lateinischen ins Deutsche übertragen wurden.

Den Abschluss des ersten Faszikels bildet ein Lexikon von Heilmitteln, das alphabetisch geordnet ist. Es stellt über 300 Heilmittel (mehr als 200 Pflanzen, über 30 Tiere und mehr als 40 Mineralien) vor. Wir kennen den Autor der Vorlage genauso wenig, wie den Autor der Übersetzung. Allerdings werden im Text verschiedene Lehrbücher genannt, die im Mittelalter an französischen Universitäten verwendet wurden. Daher kann man vermuten, dass dieses Arzneibuch von einem französischen Mediziner zusammengestellt wurde. Leider bricht es beim Buchstaben L ab und ist daher unvollständig. Eine passende (lateinische oder französische) Quelle konnte noch nicht gefunden werden.

Im zweiten Faszikel der Handschrift werden verschiedene Rezepte gesammelt, die meisten zur Medizin, zur Alchimie oder zur Zauberei.

Autor: Wolfgang Holanik

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